Depressionen sind eine häufige Begleiterkrankung nach einem Schlaganfall (ca. 1/3 der Betroffenen entwickeln im ersten Jahr nach einem Schlaganfall depressive Symptome). Auslösende oder verstärkende Faktoren können z.B. Verlust der körperlichen Funktionen mit Frustrationserleben, Angst vor erneuten Schlaganfallereignissen und sozialer Rückzug aus Scham sein. Die psychischen Probleme können somit auch einen wesentlichen Einfluss auf die soziale Teilhabe und körperliche Regeneration haben.
In einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023 (Cochrane Review) wurden durch Auswertung mehrerer Studien mit über 5000 Patienten verschiedene Therapiemöglichkeiten auf deren Wirksamkeit bei der Behandlung depressiver Symptome überprüft. Aktuell gibt eine deutsche Übersetzung und einen Kommentar der Deutschen Gesellschaft für Neurologie dazu veröffentlicht.
Die wichtigsten Aussagen:
- Medikamentöse Therapieansätze haben gewisse Effekte gegenüber einer Placebo-Therapie, gehen aber mit mehr Nebenwirkungen einher.
- Hirnstimulationsverfahren hatten keine wesentlichen positiven Effekte
- Psychologische Therapien können depressive Symptome reduzieren und haben keine relevanten Nebenwirkungen.
Insgesamt liegen wenig gute Studiendaten für die Behandlung von Depressionen nach einem Schlaganfall vor.
Am wirksamsten waren in den analysierten Studien Medikamente und psychologische Verfahren. Diese Ergebnisse decken sich auch mit den derzeitigen Leitlinienempfehlungen aus Deutschland und anderen Ländern.
Somit gilt aktuell eine Kombinationstherapie aus psychotherapeutischen Interventionen und antidepressiver Medikament als wirksamste Therapiestrategie. Bei schweren Depressionen, sie auf die bisherige Therapieversuche nicht ausreichend angesprochen haben, kann auch eine Hirnstimulation versucht werden
