Damit wir sicher Stehen und Gehen können muss unser Körper viel arbeiten. Das Gehirn muss Bewegungen planen und kontrollieren, die Nervenbahnen übertragen unentwegt Informationen die in Muskeln, Gelenken, Sehnen und der Haut durch verschiedene Rezeptoren (Sinnesorgane) „gemessen“ werden und als Rückmeldung an das Gehirn gesendet werden. Dort erfolgt dann ein Abgleich, ob die Bewegung so geplant war oder man gegensteuern muss. Damit das alles funktioniert und wir stabil durchs Leben gehen können, müssen wir die Muskeln und das Gleichgewichtssystem regelmäßig herausfordern, also trainieren.
Die Wahrnehmung des eigenen Körpers, seiner Lage im Raum, die Stellung von Kopf, Rumpf und Gliedmaßen zueinander sowie deren Veränderungen bei Bewegungen nennt man Propriozeption (Eigenwahrnehmung) und die wesentlichen Sensoren für propriozeptive Wahrnehmung sind Muskelspindeln. Diese messen den Dehnungs- oder Spannungszustand der Muskulatur als wichtiges Signal für die Muskelaktivität.
Eine eingeschränkte Funktion von Muskelspindeln führt zu einem instabilen Gang, Standunsicherheit und zu einer erhöhten Fallneigung. Etwa ein Drittel aller Menschen über 65 Jahre fällt mindestens einmal pro Jahr, weil die Propriozeption mit dem Alter an Präzision verliert und Bewegungen unsicherer werden.
Durch regelmäßiges propriozeptives Training – also Kräftigung der Muskulatur, Gleichgewichts- und Koordinationsübungen – kann die Eigenwahrnehmung des Körpers verbessert und damit mehr Stabilität im Alltag erzielt werden.
Die Effektivität von gezielten Trainingsprogrammen konnte auch in einer 2025 veröffentlichten Studie belegt werden. Die kanadische Arbeitsgruppe um Pillay et al. analysierte in einer systematischen Netzwerk-Metaanalyse 219 Studien mit über 167 000 Teilnehmern. Das Forscherteam prüfte verschiedene nichtmedikamentöse Maßnahmen zur Sturzprävention bei selbstständig lebenden Menschen ab 65 Jahren.
Am wirksamsten erwiesen sich strukturierte, mindestens drei Monate lang durchgeführte und betreute Trainingsprogramme, die Balance- und Kraftübungen umfassen.
Der Nutzen zeigte sich besonders bei Gruppen-Tai-Chi und individuell betreuten Kraft- oder Balanceübungen. Alleiniges Laufen hatte wenig stabilisierende Effekte.
