Antidepressiva haben verschiedene Effekte auf den Körper, je nach Wirkstoff, können diese sehr unterschiedlich sein. Eine aktuelle Metaanalyse, veröffentlicht in Lancet, hat sich mit diesem Thema beschäftigt und hat die Auswirkungen auf das Körpergewicht, die Herzfrequenz, den Blutdruck sowie den Cholesterinspiegel aus 151 randomisierte Studien und 17 Reports der US-Arzneimittelbehörde FDA mit insgesamt über 58.000 Teilnehmenden ausgewertet. Verglichen wurden 30 Antidepressiva über eine Anwendungsdauer von durchschnittlich 8 Wochen.
Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme hängt vom Wirkstoff ab. Agomelatin führte zum stärksten Gewichtsverlust (-2,4 kg), Milnacipran, Amitriptylin und Maprotilin zur deutlichsten Gewichtszunahme (+1,6 bzw. 1,8 kg).
Die häufig verordneten selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie Citalopram, Escitalopram oder Sertralin zeigten kaum Veränderungen von Gewicht, Herzfrequenz oder Blutdruck.
Paroxetin, Duloxetin, Desvenlafaxin und Venlafaxin führten im Mittel eher zu einer Gewichtsreduktion gingen jedoch mit einem (leichten) Anstieg des Gesamtcholesterins einher.
Auf Nieren- und Leberfunktion, Elektrolyte oder Herzrhythmus hatten die meisten Antidepressiva keinen klinisch relevanten Einfluss.
Die Ergebnisse zeigen die Notwendigkeit einer gemeinsam von Arzt und Patient getroffenen Therapieentscheidung, damit Begleiterkrankungen, individuelle Präferenzen, Lebensumstände, Ziele, Werte und Überzeugungen ausreichend berücksichtigt werden.
Einschränkend muss erwähnt werden, dass sich die Auswertung auf einen kurzen Beobachtungszeitraum beziehen, so dass keine eindeutigen Aussagen über Langzeiteffekte getroffen werden können. So ist zum Beispiel auch unklar, ob die beobachteten Veränderungen vorübergehend oder dauerhaft sind.
