Bewegung ist für uns eigentlich etwas Selbstverständliches und in der Regel machen wir uns keine Gedanken darüber wie und warum Bewegung funktioniert. Bereits in den ersten Monaten des Lebens erlernen wir sehr viel Bewegungsmuster und -abläufe, die durch rereglmäßiges Üben zunehmend automatisiert werden. Das bedeutet für uns, dass wir im Alltag die meisten Bewegungen unbewusst durchführen können. Damit Bewegung funktioniert, muss unser Nervensystem ziemlich viel koordinieren und aufeinander abstimmen, was normalerweise kein Problem darstellt. Wir können auf Mauern balancieren, Klavier spielen, Texte schreiben und beim Essen fällt uns meistens auch nichts vom Besteck runter. Erst wenn es zu einer Störung der Bewegungen kommt, fällt auf wie bedeutend ein reibungsloser Bewegungsablauf für uns im Alltag ist.

Bewegungsstörungen können „grob“ in ein „zu viel“ und „zu wenig“ an Bewegung eingeteilt werden. Davon abgrenzen kann man noch Bewegungsstörungen bei denen die Koordinationsfähigkeit und das Gleichgewichtssystem betroffen sind.

Hypokinetische Störungen, bezeichnen ein „zu wenig“ an Bewegung. Diese Störung tritt vor allem beim Parkinson-Syndrom auf. Kann jedoch auch bei Störungen der Nervenwasserzirkulation ("Hydrozephalus") vorkommen.

Bei hyperkinetische Störungen liegt ein „zu viel“ an Bewegung vor. Zu diesen Störungen zählt man 

  • Tremor: „Zittern“ bzw. unwillkürliche rhythmische Bewegung. Meist findet sich ein Tremor der Hände; prinzipiell kann ein Tremor aber auch an anderen Stellen auftreten (z.B. Kopftremor, Unterkiefertremor). Ein Tremor kann je nach zugrundeliegender Ursache unterschiedlich ausgeprägt sein. Ein Ruhetremor ist typischerweise beim Parkinson-Syndrom zu finden. Weitere häufige Tremorformen sind ein verstärkter physiologischer Tremor (z.B. bei AUfregung, Stress, Anspannung) und der essenzielle Tremor. Letzgenannter Tremor wird typischerweise stärker wenn ich Tätigkeiten mit der Hand mache (z.B. Glas oder Tasse festhalten, Teller tragen, mit Besteck essen oder beim Schreiben mit einem Stift. 

  • Dystonie: unwillkürliche, sich wiederholende, teilweise schmerzhafte Muskelkontraktionen (-verspannungen) mit unnatürlichen "verkrampft wirkenden" Bewegungen der betroffenen Körperteile. Häufig betroffen ist z.B. die Hals- / Nackenregion oder die Hand.

  • Dyskinesie: unwillkürliche (= nicht bewusste) Bewegungen, häufig den Mund und die Zunge, aber auch Arme und Rumpf betreffend

  • Myoklonie: unwillkürliche, ruckartige kurze Muskelzuckungen die an unterschiedlichen Stellen (Arme, Beine, Gesicht) auftreten können

  • Choreatiforme Bewegungsstörungen: unwillkürliche, eher gröbere Bewegungen unterschiedlichster Ausprägung und Lokalisation, die unregelmäßig jedoch auch dauerhaft auftreten können.

  • Ballismus: unwillkürliche schleudernde Bewegungen, oftmals auch einseitig auftretend (Hemiballismus)

Koordinationsstörungen treten oftmals bei Schädigungen des Kleinhirns auf. Man bezeichnet das häufig auch als Ataxie. Damit sind unregelmäßige und schlecht aufeinander abgestimmte, ungelenke Bewegungsabläufe gemeint. Diese betreffen häufig die Hände und Arme und machen sich z.B. beim Zugreifen oder Halten von Gegenständen bemerkbar; können aber auch beim Stehen, Gehen und Sitzen auftreten und mit entsprechenden Unsicherheiten einhergehen (torkelnder Gang, Schwanken beim Sitzen / Stehen).

Auch eine gestörte Abstimmung der Bewegungskontrolle bei Schädigung der sogenannten Stammganglien (oder Basalganglien) kann zu Koordinationsstörungen führen. 

Das Gleichgewicht wird durch das Zusammenspiel von Großhirn, Augen, Innenohr, Hirnstamm, Kleinhirn, Rückenmark und peripheren Nerven gesteuert. Eine Störung der Gleichgewichtsfunktion kann prinzipiell in allen genannten Strukturen verursacht werden. 

 

 


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