Zirka 75% der Demenzpatienten haben - vor allem in fortgeschrittenen Stadien - Verhaltensauffälligkeiten wie z.B. Unruhe, Aggressionen oder Depressionen. Dies stellt oftmals für die Betroffenen, aber vor allem auch die Angehörigen oder Pflegenden eine erhebliche Belastung dar. Häufig werden die psychischen Symptome durch Medikamente (Antipsychotika, Antidepressiva) behandelt.
Da vor allem bei den älteren Patienten die medikamentöse Therapie auch mit relevanten Risiken einhergeht, sollten, auch nach aktuellen Empfehlungen der Fachgesellschaften, zunächst die nicht-medkamentösen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft werden. 

Eine umfangreiche Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2019 hat sich dem Thema "medikamentöse versus nicht-medikamentöse Therapie bei Patienten mit Demenz und Unruhe" wissenschaftlich beschäftigt. Für die Arbeit wurden 163 Studien mit über 23.000 Patienten mit einer Demenz ausgewertet.

Die Ergebnisse konnten eindeutig zeigen, dass Aktivitäten im Freien oder Körpertherapien (Bewegung, Musiktherapie, Massage) bei körperlicher Aggression oder Unruhe wirksamer als Medikamente waren. Vor allem die Kombination von körperlichen Aktivitäten zusammen mit Änderungen des Tagesablaufs erwiesen sich als effektiv. 

Die Studie unterstreicht die Bedeutung der nicht-medikamentösen Therapieansätze zur Behandlung von Demenzpatienten mit Unruhe und Aggressivität.
Eine medikamentöse Therapie sollten erst bei Versagen der alternativen Maßnahmen vorsichtig eingesetzt werden.